Logo



Wir planen seit nunmehr 30 Jahren Fachwerkhäuser im Wendland. Sanierungen oder Neubauten, alles ist möglich. Wir halten uns dabei an den Traditionellen Stil (von außen versteht sich!) des Wendlandes. Hierzu ein kleiner Exkurs in die Geschichte:




Geschichtliche Entwicklung des wendländischen Fachwerkhauses

Herkunft des Haustyps

Das Verbreitungsgebiet des niederdeutschen Hallenhauses erstreckt sich von der holländischen Grenze bis zur Oder. Somit liegt unser Gebiet etwa in der Mitte. Bei diesem Haustyp handelt es sich um ein Mittellängsdielenhaus mit einem am hinteren Ende angeordneten Wohnteil. Wie ein ergrabener Befund eines Hallenhauses aus dem 12. Jahrhundert belegt, stellt die Urform einen Einraum dar. Das Fehlen abgeschlossener Kammern läßt nur den Schluß eines Wohnens um die am rückwärtigen Ende angeordnete Herdstelle zu. In der Höhe wurde dieser Raum nur begrenzt durch eine Decke, auf der im Dachraum die Ernte lagerte.

Historische Entwicklung in unserem Gebiet

Das Alter der nachweisbaren Bausubstanz läßt sich nicht weiter als in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts verfolgen. Ein Großteil der Bauten ist im 30-jährigen Krieg zerstört worden, ein weiterer Teil durch Brände, vor allem in den Rundlingen. Jedoch läßt sich von dieser Zeit die Entwicklung bis zu den letzten Bauten um 1900 durch typische Beispiele belegen. Die Entwicklung zeigt eine Erhöhung des Raumbedarfs und somit eine Veränderung der Bauform. So entstand aus dem weit nach unten gezogenen Dach an den Traufseiten eine Seitenwandhöhe von ca. 3,50 m. Einher geht hiermit auch eine änderung des konstruktiven Gefüges.

Haustypen

Die älteste überkommene Form ist das Zweiständerhaus. Das konstruktive Nerkmal ist die Anzahl der die Dachbalken tragenden Ständerreihen, hier also zwei, wie die Schnittzeichnunq ersichtlich macht. Die seitlich angehängten Kübbungen genannten Bauteile gehören nicht zur tragenden Primärkonstruktion. Die Verwendung dieses Haustyps endet etwa um 1700.

2-Ständer-Haus

Das Dreiständerhaus stellt eine Weiterentwicklung dar, wobei die Giebelansicht durch die nur einseitig erhöhte Traufwand asymmetrisch erscheint. Dieser Haustyp bildet eine übergangsform und ist nur in wenigen Exemplaren erhalten.

3-Ständer-Haus

Durch den Mehrbedarf an Stallung, Wohnen und Bergeraum durch verbesserte landwirtschaftliche Bedingungen entstand das Vierständerhaus, etwa ab 1800 beginnend. Es ist die auch heute noch verbreitetste Hausform. Die durchlaufenden Dachbalken werden von jeweils 4 Ständerreihen getragen (Außen- und Dielenseitenwände).

4-Ständer-Haus

Materialien

Gebaut wurde geschichtlich aus den Materialien, die heimisch waren. So waren es in unserem Gebiet Eichen- und Nadelholz, Reet, Stroh, Lehm und Weiden. Ziegel als Mauersteine und Dachpfannen kamen erst später hinzu.
Die Ausfachungen bestanden ursprünglich aus Weidenwellwerk, beidseitig mit Stroh-Lehm verputzt, im 19. Jahrhundert kam die Verwendung von Mauerziegeln auf. Etwa um 1850 wurden bei Neubauten keine Weichbedachungen mehr zugelassen, d. h. aus Stroh- u. Reetdächern wurden Ziegelpfannendächer.

Schmuckelemente

Eine besondere Ausprägung erhielten in allen Zeiten die Giebel der Toreinfahrten. Hier wurde durch aufwendiges, engmaschiges Gitterwerk der Wohlstand dokumentiert. Die beiden Längswände und der rückwärtige Giebel behielten dagegen das großflächige Fachwerk. Weiter auffällig sind die quer über den Giebel verlaufenden geschnitzten Spruchbalken und Zierelemente über der Toreinfahrt.

War bis Ende des 17. Jahrhunderts eine Farbgebung unbekannt, setzte diese mit Beginn des 18. Jahrhunderts ein, fand jedoch ihre stärkste Ausprägung (mit der Erfindung der chemischen Farben) im 19. Jahrhundert. Bevorzugt wurde eine kräftige, lebhafte, kontrastbildende Farbgebung bis in kleinteiligere Schmuckelemente.

Rundlinge

Wurde der Haustyp in seinen zeitlich verschiedenen Erscheinungsformen in allen Dorfformen (Straßen-, Haufendörfer) errichtet, zeigt er jedoch die eindrucksvollste Wirkung in dem hiesigen Rundlingsgebiet, dem größten in Deutschland. In seinem Kern, ca. 5 km westlich von Lüchow gelegen, zeigen sich etliche, fast unverfälschte Runddorfformen.

Diese kennzeichnen sich durch eine Ringbebauung der Einzelhöfe um einen runden oder ovalen unbebauten Dorfplatz. Erschlossen wurden die Rundlinge durch nur eine Zufahrt. Die Rückseite wurde gebildet durch Eichenhaine als Windbrecher und nachwachsendes Bauholz.

Durch die enge Bauweise zum Dorfplatz wurden zahlreiche Rundlinge bei Bränden vollständig vernichtet, so ist z. B. Satemin der letzte, in einem Zuge wieder aufgebaute Rundling (Ortsbrand 1850). Daher zeigt dieser ein recht einheitliches Bild der Haustypen.

Verwendete Literatur

"Das Hann. Wendland"
3. Auflage
LK Lüchow-Dannenberg (Selbstverlag)

"Vom Bauen und Wohnen"
Akademie-Verlag, Berlin 1982

"Das Niederdeutsche Hallenhaus u. seine Nebengebäude"
c.I. Johannsen 1979
Landbuch-Verlag, Hannover

"Rundlingsdörfer im Wendland"
Bearbeiter: Arbeitskreis Rundlingsforschung


Quelle: www.luechow.de